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Jeff Wall, Overpass. Three people cross a flyover or bridge.

Jeff Wall, Overpass, 2001, Transparent im Leuchtkasten, 214,2 × 273,3 cm. Courtesy of the artist.

Figures of Eight
London und Wien

Herbst, 26. Oktober – 14. Dezember 2026
Frühling, 11. Januar – 1. März 2027
Sommer, 12. April – 31. Mai 2027

Figures of Eight ist eine Critical Studies Seminarreihe, die von einer radikalen Prämisse darüber ausgeht, was Lernen ist und wie es geschieht. Das Programm ist um Wiederholungen und Wiederkehr aufgebaut und findet in zwei Städten statt, London und Wien, am selben Abend zur selben Ortszeit. Beide Städte teilen dasselbe Curriculum, und ihre Gruppen sind zeitlich und thematisch miteinander verschränkt.

Figures of Eight wurde von Rachal Bradley in London und Joseph Kohlmaier in Wien entwickelt und wird von ihnen unterrichtet.

Das Bild

Im Zentrum von Figures of Eight steht das Bild. Das Bild wird nicht als privilegiertes Objekt vorgeschlagen, sondern als Weg, sich dem zeitgenössischen Weltbild anzunähern: der Dominanz des Sehens und der Ästhetisierung von Kultur, Beziehung und Selbst.

Der Kurs fragt, was folgt, wenn Bilder als lebendig verstanden werden, als Wesen, die Ideen und Wünsche haben und ihre eigenen Konventionen, Protokolle und Affekte erfinden. Er bewegt sich von Fragen der Repräsentation hin zu einem Zustand, in dem das Bild zugleich auf der Ebene der Infrastruktur und der Kommunikation operiert. Das Bild ist die Botschaft und zugleich der Mechanismus ihrer eigenen Zustellung. Es ist Währung, Ort der Transaktion, Bestimmungsgröße von Wert.

Diese Eigenschaften haben die Expansion des Spätkapitalismus getragen, doch das Bild kann auch die Handlungsmacht besitzen, die Systeme, die es trägt, aufzuhalten oder zu untergraben. Es ist relational und hat die Kraft eines universellen sozialen Protokolls angenommen. Doch diese Universalität ist ebenso starr wie wechselhaft.

Jedes Seminar ist um eine These strukturiert, kanonisch oder radikal, anhand derer unterschiedliche Geschichten des Bildes konstruiert und rekonstruiert werden. Im Verlauf des Programms begegnen die Teilnehmenden zentralen Texten zum Bild und arbeiten eng mit Fallstudien, um seine Geschichten, seine gegenwärtigen Bedingungen und mögliche Zukünfte zu betrachten, ebenso wie die Methoden, mit denen Bilder erforscht, gelesen und archiviert werden.

Wiederholung und Wiederkehr

Radikal an Figures of Eight sind seine Prämisse und seine Struktur. Jede achtwöchige Figur ist ein vollständiger Kurs, der im Lauf eines Jahres dreimal wiederholt wird. Jede nimmt eine neue Gruppe von Teilnehmenden auf. Nach der Einschreibung können sich die Studierenden auf unterschiedliche Weise durch ein ganzes Jahr von Seminaren bewegen, also durch drei Durchgänge des Kurses. Sie können in beiden Städten teilnehmen. Sie können eine achtwöchige Figur besuchen oder alle drei, ihre Teilnahme auf mehrere Figuren verteilen oder Sitzungen wiederholen. Die Teilnehmenden kehren nicht nur zu Texten und Fragen zurück, sondern zu einem fortlaufenden Projekt, das sich in einem gemeinsamen Raum entwickelt.

Figures of Eight hebt die konventionelle Grenze zwischen dem, was wir wissen, und der Art, wie wir zu Wissen gelangen, auf. Es versteht Wissen als dynamisches Ergebnis sozialer und performativer Akte über die Zeit, und es begreift das Bild ebenso: als lebendig, zugleich Brennpunkt unserer Aufmerksamkeit und materielle Struktur, die ihre eigenen Wünsche und ihren eigenen Diskurs hervorbringt. Es macht keinen Unterschied zwischen dem Raum des Lernens und den Menschen, die ihn mit ihren individuellen Geschichten und singulär-pluralen Weisen, die Welt zu wissen und zu sehen, beleben. Wissen wird nicht durch lineares Voranschreiten auf ein abstraktes Ziel oder Ergebnis hin angehäuft, sondern wieder und wieder praktiziert, auf chorische, verkörperte Weise. Es gibt keine abschließende Meisterung des Stoffs, und wir sind mit dem Thema nie fertig.

Konstellationen

Figures of Eight ist ein langfristiges Projekt, das Ideen, Menschen und Welt in sich fortlaufend verändernde Konstellationen bringt. Innerhalb von Field Studies schafft es Raum für anhaltende Konzentration und wiederholte Begegnung und ergänzt die umherziehenden, itineranten Aktivitäten des Programms Terms and Conditions. Der Zeitplan ist so angelegt, dass ausgewählte Residencies den Kohorten in London und Wien Gelegenheit zur Begegnung bieten; Studierende können im Lauf des Jahres an einer oder mehreren davon teilnehmen.

Offener Zugang

Figures of Eight steht allen offen. Für die Teilnahme sind keine vorherige Ausbildung und keine Akkreditierung erforderlich. Der Kurs richtet sich an Menschen, die in der zeitgenössischen Kultur und den kreativen Disziplinen arbeiten oder ein starkes Interesse daran haben und sich Zeit für Lektüre, Denken und Diskussion mit anderen nehmen möchten. Für Künstler:innen und Praktiker:innen bietet der Kurs die Möglichkeit, ihre Praxis durch die anhaltende Auseinandersetzung mit kritischen Ideen weiterzuentwickeln.

Das Programm verlangt Aufmerksamkeit, Neugier und Engagement statt Vorkenntnissen. Es gibt keine Bewertung. Kein Ergebnis wird im Voraus vorgegeben, und die Gruppe erarbeitet ihre Inhalte nach eigenen Bedingungen.

Eine gemeinsame Untersuchungsrichtung verlangt keine gemeinsamen Positionen. Unterschiedliche Geschichten, Wissensformen und Weisen des Wahrnehmens, Denkens und Teilnehmens bleiben in Beziehung, ohne vereinheitlicht zu werden. Figures of Eight versteht Neurodiversität als grundlegend für jede Gruppe. Wir denken, richten unsere Aufmerksamkeit aus und lernen nicht auf dieselbe Weise, und das Programm versucht nicht, diese Unterschiede auf feste Typen zu reduzieren.

Unterrichtssprache ist Englisch, sowohl in London als auch in Wien.

Termine und Orte

Figures of Eight
montags, 18.30–21 Uhr Ortszeit
Zentrale Orte in Wien und London

Herbst, 26. Oktober – 14. Dezember 2026
Frühling, 11. Januar – 1. März 2027
Sommer, 12. April – 31. Mai 2027

Two people in a room, Joseph Kohlmaier on the left, Rachal Bradley on the right. Joseph looks up in the air, Rachal smiles at the camera.

Joseph Kohlmaier und Rachal Bradley. Foto: Yiannis Katsaris

Lehrende

Rachal Bradley (London) ist Filmemacherin, Künstlerin und Autorin mit Sitz in London und arbeitet an der Schnittstelle von Körper, System und Material. Rachals Arbeit zeichnet nach, wie Identität geformt wird: durch Sprache, durch Struktur, durch das, was wir tragen. Ihre Filme und Kunstwerke wurden in Großbritannien und Europa gezeigt, darunter im Kunsthaus Zürich, in den KW (Berlin), in Raven Row (London) und Spike Island (Bristol), und ihre Texte sind in Texte zur Kunst erschienen. Derzeit entwickelt sie FOLD, einen Dokumentarfilm über die lebenslange Hingabe einer Frau aus dem Norden an die japanische Avantgardemode als Form der Selbsterfindung. Rachal unterrichtet seit 2016 an Kunsthochschulen und in Programmen in Großbritannien und Europa, darunter an der London Metropolitan University, der Ruskin, Nottingham Trent, der Glasgow School of Art, der Akademie der bildenden Künste (Wien) und im Künstler:innenprogramm Conditions (London), wo sie weiterhin als Gastkünstlerin Mentoring übernimmt. Derzeit lehrt sie an der School of Art der University of Reading.

Joseph Kohlmaier (Wien) ist Künstler, Designer und Lehrender. Bis April 2026 war er Associate Teaching Professor für Geschichte und Theorie an der School of Art, Architecture and Design der London Metropolitan University. Er ist Gründer und künstlerischer Leiter mehrerer Kollektive, Organisationen und Bildungsprojekte, darunter Field Studies, das experimentelle Chorensemble Musarc (2009–heute), das Grafikdesignstudio Polimekanos (mit Stefan Kraus, 2000–2020) und das unabhängige Imprint Cours de Poétique. Durch diese Strukturen entwickelt sich Josephs Praxis, und hier hat sie ihre größte Wirkung entfaltet, indem sie Räume schafft, in denen Menschen mit neuen Ideen experimentieren. Als Kurator und Produzent hat Joseph aufstrebende und etablierte Künstler:innen beauftragt und mit ihnen sowie mit führenden Kulturinstitutionen im Vereinigten Königreich und in Europa an Projekten zusammengearbeitet, die die Landschaft von Bildung, zeitgenössischer Musik und Performance nachhaltig verändert haben. Josephs Arbeit ist vielschichtig und an der Schnittstelle verschiedener Disziplinen und Tätigkeiten angesiedelt, die zwischen individueller und kollektiver Praxis pendeln. Sie ist getragen von der Frage, wie wir lernen, wie Denken mit symbolischen Formen zusammenhängt, von der Prekarität und dem Potenzial kollektiver Handlungen, von der Ökologie des Chors sowie von marginalisierten Denkweisen, etwa der Rolle von Körperlichkeit und leiblich erfahrener Wahrnehmung (felt sense) in der Entstehung von Wissen.